Hält diese Arbeit auch das Schwere?

Vor dem Erstgespräch steht bei manchen Familien eine Sorge, die sie kaum aussprechen wollen. Bei der einen klingt sie so: Wir sind uns gerade nicht einig. Bei der anderen: Bei uns gibt es eine Stelle, an die niemand rührt. Beide Sorgen führen auf dieselbe Frage, ob das, was die Familie mitbringt, zu viel ist für diese Arbeit.

Spannung ist kein Sturm

Eine Familie kann uneinig sein und sich ihre Lage trotzdem gemeinsam ansehen. Mitten im Streit gelingt ihr das im Moment nicht, und genau da setzt das Werk nicht an. Das gilt für den Streit wie für den Übergang: im akuten Vollzug geht die Arbeit nicht, davor und danach gelingt sie. Solange eine Familie bereit ist, gemeinsam hinzusehen, hält die Spannung die Klärung nicht auf.

Was die Geschichte zeigt

Die zweite Sorge geht tiefer. Manche Familien leben mit einer Geschichte, die im Schweigen liegt. Da sind Brüche, eine dunkle Stelle, etwas, worüber niemand spricht. Bei dieser Sorge geht es nicht um Einigkeit. Sie fragt, was geschieht, wenn jemand die Stelle berührt.

Eine Geschichte zeigt sich nur, wenn nichts verdeckt bleibt. Das Identitätswerk klärt, ohne zu beschönigen. Was zur Familie gehört, gehört dazu, auch das Schwere. Es bekommt seinen Platz in der Klärung, ohne sie zu beherrschen.

Davor

Bevor eine Familie an die schwere Stelle rührt, legt die Identitätsarbeit den Boden. Die Familie sammelt sich vorher und klärt zuerst das andere: woran sie sich festhält, wenn sie findet, was sie fürchtet. Das Werk gibt diesem gemeinsamen Grund eine Form, an die später jeder anschließt.

So ein Grund hält auch dann, wenn das Schwere zur Sprache kommt, denn er hängt nicht davon ab, was die Familie dort findet. Worauf sie steht, weiß sie schon vorher. Über das, was kommt, muss sich niemand einig sein. Es genügt, dass die Familie sich über alles andere verständigt hat.

Danach

Wenn das Schwere geklärt ist, beginnt die andere Arbeit. Sie gibt ihm einen Ort in einem größeren Bild. Wer nur weiß, was an der einen Stelle liegt, hat damit noch nicht beantwortet, wer die Familie ist und wo sie steht. Die Geschichtsklärung gräbt an einer einzigen Stelle, und eine Familie ist mehr als diese eine Stelle.

Das Werk fügt das Geklärte in ein Bild, das auch die anderen Schichten kennt. Darin hat es seinen Platz. Die Frage „Wer sind wir“ lässt sich dann beantworten, ohne dass die eine Stelle die ganze Antwort bestimmt.

Was es braucht

Was diese Arbeit verlangt, ist weniger, als die meisten Familien vermuten. Sie verlangt die Bereitschaft, gemeinsam hinzusehen. Einig sein muss niemand, weder über das Schwere noch über die Frage, ob diese Klärung nötig ist.

Im Grenzfall genügt einer, der anfängt. Was die Arbeit dann zuerst leistet, ist, aus diesem einen Blick einen geteilten zu machen. Das Gemeinsame wird hergestellt, es wird nicht vorausgesetzt.

Wenn Sie sich fragen, ob diese Arbeit auch für Ihre Lage greift, lohnt sich ein Gespräch. Ob sie das aushält, klärt sich darin.

Warum eine Gestalterin?

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